Sankt Maria Magdalena Gernsheim
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Hungertuch 2021  

DU STELLST MEINE FÜßE AUF WEITEN RAUM - DIE KRAFT DES WANDELS
Das MISEREOR-Hungertuch 2021 von Lilian Moreno Sánchez


Seit 1976 haben zahlreiche Künstlerinnen und Künstler eines der sogenannten „MISEREOR-Hungertücher“ geschaffen. Jedes Jahr verwenden es Gemeinden und Schulen, um sich in der Fastenzeit und darüber hinaus mit drängenden Themen auseinanderzusetzen. Auch in unsere Pfarrgemeinde ist das Hungertuch fester Bestandteil der Fastenzeit. Es ist in der Pfarrkirche über dem Hochaltar befestigt und lädt zu einem nachdenklichen Verweilen ein. Auch eine der normalerweise angebotenen Fastenandachten setzt sich mit dem Hungertuch und den darin aufgegriffenen Themen auseinander. Da in diesem Jahr leider keine Fastenandachten angeboten werden können, möchten wir Ihnen das Hungertuch auf diesem Wege näherbringen. Sie sind herzlich eingeladen, dass Hungertuch anschließend in der Pfarrkirche in Originalgröße auf sich wirken zu lassen. Gerne können Sie sich dort auch ein Ausdruck mitnehmen. Bitte tragen Sie einen Mund-Nasenschutz beim Betreten der Pfarrkirche.


Das Bild und seine Herstellung:

Das Hungertuch 2021 wurde von der Künstlerin Moreno Sánchez geschaffen. Basis des Bildes ist ein Röntgenbild, das den gebrochenen Fuß eines Menschen zeigt, der in Santiago de Chile bei Demonstrationen gegen soziale Ungleichheit durch die Staatsgewalt verletzt worden ist.
Das Bild ist auf drei Keilrahmen, bespannt mit Bettwäsche, angelegt. Der Stoff stammt aus einem Krankenhaus und aus dem Kloster Beuerberg nahe München. Zeichen der Heilung sind eingearbeitet: goldene Nähte und Blumen als Zeichen der Solidarität und Liebe. Leinöl im Stoff verweist auf die Frau, die Jesu Füße salbt (Lk 7,37f) und auf die Fußwaschung (Joh 13,14ff ).



Die Künstlerin:

Lilian Moreno Sánchez, geboren 1968 in Buin/Chile, studierte Bildende Kunst an der Universität von Chile in Santiago de Chile und kam nach ihrem Diplom durch ein DAAD Stipendium nach Deutschland, wo sie ihre Studien an der Akademie der Bildenden Künste in München fortsetzte; seit Mitte der 90-er Jahre lebt und arbeitet sie in Süddeutschland.
Ihre Kunst durchbricht die Oberflächlichkeiten des Lebens und kreist, die Erfahrungen während der chilenischen Militärdiktatur verarbeitend, um Leid und seine Überwindung durch Solidarität. Oft verarbeitet sie Röntgenbilder und trägt ihre Zeichnungen auf Krankenbettwäsche auf. Lilian Morenos Werke bleiben nicht bei der Passion stehen: Über aller Realität steht auch schon die Verklärung.


Annäherungen an das Hungertuch und seine Themen:

Ein neuartiges Virus, SARS-CoV-2, hat überall auf der Welt Opfer gefordert und der Menschheit Grenzen aufgezeigt. Die Pandemie hat uns mit unserer Verwundbarkeit konfrontiert und Gewissheiten erschüttert. Wir mussten feststellen: Es ist längst nicht alles plan- und machbar. Die Corona-Krise hat aber auch sichtbar gemacht, was möglich ist, wenn Menschen in einer Situation der Bedrohung Verantwortung füreinander übernehmen: Aufmerksamkeit und Unterstützung für die Schwächsten im eigenen Lebensumfeld, Solidarität der Jungen mit den Älteren, konkrete Hilfe und gelebte Kreativität, Bereitschaft zu Einschränkung und Verzicht im Interesse des Gemeinwohls.
Doch nicht immer wurde besonnen und fürsorglich gehandelt. Nach dem Lockdown kam es mancherorts zu einer brisanten Mischung aus Lagerkoller, Verschwörungstheorien und Widerstand gegen die Einschränkung von Freiheitsrechten. Die extremen Lager – rechts wie links –, Populisten und Esoteriker nutzten die Situation für ihre Zwecke aus. Und dennoch ist deutlich geworden: Wir können anders. Ein anderer Lebensstil ist möglich – weniger egoistisch, weniger konsumfixiert, weniger gehetzt. Über den Megastädten Asiens schien plötzlich wieder die Sonne, Flugzeuge malten keine Kondensstreifen mehr an den Himmel, das Wasser in den Kanälen von Venedig war wieder klar. Natürlich nur auf Zeit. Ein paar Wochen lang haben wir uns die Zeit genommen, Grundfragen zu stellen: Was zählt wirklich für ein erfülltes Leben – nicht nur für mich selbst, sondern für alle, für die (Welt-)Gemeinschaft? Können wir es verantworten, unseren materiellen Wohlstand auf der offensichtlichen Ausbeutung von Mensch und Natur aufzubauen?
„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ Dieser Psalmvers (Ps 31,9) 1 steht als Titel über dem Hungertuch von Lilian Moreno Sánchez. Er beschreibt in wunderbarer Weise, was im Glauben alles möglich ist. Die Metapher des Fußes lässt uns an Aufbruch, Bewegung und Wandel denken, das Bild des weiten Raumes lässt uns aufatmen, ermutigt zu Visionen. Und der Vers sagt noch mehr: Gott öffnet uns nicht nur einen weiten Horizont, er gibt uns auch festen Stand. Wenn menschlich gesehen alles hoffnungslos erscheint, zeigt Gott uns Auswege. Diese Perspektiven sind nicht zu erschließen ohne die gegenläufigen Erfahrungen von Bedrängnis und Not, die der Psalm ebenfalls zur Sprache bringt: Seine beiden Teile (Verse 2–9 und Verse 10–25) thematisieren jeweils die Bedrohung, der der Mensch ausgesetzt ist, jedoch auch das Vertrauen auf den rettenden Gott und den Dank für die erwiesene Hilfe. Für Christen hat der Halbvers 6a eine besondere Bedeutung: „In deine Hände befehle ich meinen Geist“ – in der Passionsgeschichte nach Lukas wird er auf den sterbenden Jesus bezogen (Lk 23,46). Der Psalm ist vor rund 2500 Jahren entstanden, wohl in der Zeit des babylonischen Exils; in ihm werden Erfahrungen von Krankheit, Einsamkeit, Unterdrückung und Verzweiflung verarbeitet. Immer haben die Menschen Zuflucht bei Gott gesucht und gefunden. Aus der Enge der Angst blickten sie hinaus ins Weite und schöpften Kraft für einen Neubeginn – so wie die Betroffenen der Corona-Krise den Aufbruch wagen und ihr Leben wieder neu aufbauen.

(aus Misereor Lehrerforum Nr. 118/ 4 /2020)

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